Menschen mit Behinderungen unterstützen

Ausbildung zum/r Heilerziehungspfleger/in

Ausbildungsprofil

Das Berufsfeld

Menschen mit Behinderungen teilen uns auf ihre persönliche Art mit, was sie an persönlicher und gesellschaftlicher Unterstützung benötigen. Manche Menschen mit Behinderungen brauchen professionelle Begleitung und Assistenz – Profis, die das Selbstbestimmungsrecht Behinderter respektieren, Beziehungen gestalten können und über pädagogisches sowie pflegerisches Know-how verfügen.

Durch die aktuelle Entwicklung hin zur inklusiven Gesellschaft wird sich zukünftig auch das Berufsfeld von Heilerziehungspfleger/innen erweitern. Heilerziehungspfleger/innen werden verstärkt zum Ausbau inklusiver Strukturen in den Bereichen Wohnen, Bildung, Freizeit und Arbeit beitragen.

Heilerziehungspfleger/innen sind mit ihrer Doppelqualifikation in Pädagogik und Pflege die Fachkräfte, die diese Dienstleistung erbringen können. Sie sind in Nordrhein-Westfalen als soziale und pflegerische Fachkräfte in stationäre Einrichtungen der Eingliederungshilfe (vgl. WTG DVO 2014) und als sozialpädagogische Fachkräfte nach dem Kinderbildungsgesetz (KiBiz, Personalvereinbarung 2015) anerkannt. Heilerziehungspfleger/innen arbeiten mit den Familienangehörigen, anderen Berufsgruppen und Laienhelfern zusammen und koordinieren institutionelle Hilfeangebote. Sie entwickeln passgenaue Angebote für Menschen mit Behinderungen als eine wichtige Berufsgruppe mit und finden nach abgeschlossener Ausbildung vielfältige Arbeitsfelder vor. 

Prognosen für die kommenden Jahre zeigen einen stabilen, wenn nicht sogar wachsenden Bedarf an Fachkräften in allen oben aufgeführten Bereichen an. Derzeit verändert sich die Angebotssituation. Vermehrt werden eher kleinere Wohngemeinschaften für Menschen mit Behinderungen ausgebaut und Angebote zum ambulant begleiteten Wohnen gemacht. Hier greift der Grundsatz „ambulant vor stationär“ und Förderung der selbstständigen Lebensgestaltung ohne institutionelle Zwänge. Zugleich bleibt auch der stationäre Bereich bedeutsam, da es unter anderem mehr ältere Menschen mit Behinderungen gibt als früher und Menschen mit schwersten Behinderungen teilweise auch weiterhin auf eine komplexe stationäre Betreuung angewiesen sind.


Die Ausbildung orientiert sich an Berufsaufgaben

Die Ausbildung am Berufskolleg der AWO basiert auf der konsequenten Orientierung an der Berufspraxis in der Arbeit mit Menschen mit einer Behinderung. Heilerziehungspflegerinnen und -pfleger können nach Abschluss der Ausbildung auf der Basis einer inklusiven Grundhaltung:

  • Beziehungen professionell gestalten
  • Lebenssituationen und Hilfebedarfe von Klienten erfassen
  • Handlungspläne theoriegeleitet entwickeln, umsetzen, evaluieren und anpassen
  • spezielle Konzepte der Behindertenpädagogik auf individuellen Bedarf bezogen anwenden
  • Klientinnen und Klienten anleiten und beraten
  • Kooperationsbeziehungen im Team, der eigenen Organisation und weiteren Netzwerken rollengerecht gestalten
  • Leistungsangebote erschließen, koordinieren und umsetzen
  • an der Qualitätsentwicklung der eigenen Einrichtung mitwirken
  • Administrative und Teilleitungsaufgaben ausführen und koordinieren
  • Eine ethische Grundhaltung im Berufsfeld vertreten
  • für die eigene Gesunderhaltung sorgen


Handlungskompetenz 

 

Um diese Berufsaufgaben fachgerecht auszuführen, benötigen Heilerziehungspflegerinnen- und pfleger Handlungskompetenz. Handlungskompetenz verstehen wir als die Verbindung von Fachkompetenz und persönlicher Kompetenz.

Gerade für die Entwicklung personaler Kompetenzen brauchen Studierende einen Rahmen, in dem Sie eigene Haltungen und Einstellungen reflektieren und Veränderungen einleiten können. Dazu bieten wir eine individuelle und kontinuierliche Lernprozessbegleitung an.


Orientierung an den Bezugswissenschaften

Die Ausbildung orientiert sich an den aktuellen Fachstandards aus der Heilpädagogik, Behindertenpädagogik und den Pflegewissenschaften. Behinderung verstehen wir dabei aus einer systemischen Perspektive als Folge einer gestörten Person - Umwelt - Beziehung. Die Arbeit von Heilerziehungspflegerinnen- und pflegern bezieht daher konsequent das unmittelbare soziale und räumliche Umfeld behinderter Menschen mit ein. Diese Perspektive ist für unsere Ausbildungsprozesse handlungsleitend. Durch die Zunahme von Menschen mit schweren Behinderungen und älter werdenden Menschen mit Behinderungen kommt es zu einer höheren Pflegebedürftigkeit der Klienten. Dieser Entwicklung des Berufsfeldes begegnen wir mit einer konsequenten Ausrichtung des Pflegeunterrichtes an aktuellen handlungsleitenden Theorien und Konzepten der Pflege.


Verbindung Lernort Schule - Lernort Praxis

Die praktische Ausbildung dient dazu, Wissen und Fertigkeiten in der Praxis zu erproben und zu reflektieren. Über Praxisbesuche der Lehrkräfte erhalten die Studierenden ein differenziertes Feedback über ihren derzeitigen fachlichen Entwicklungsstand. Ergänzt wird der Austausch zwischen Schule und Praxis durch Praxisanleitertreffen und die Arbeit eines Beirates, in dem Vertreter der Praxiseinrichtungen und der Schule gemeinsam die Weiterentwicklung der Ausbildung betreiben.


Die Rolle von Lehrenden und Studierenden

Wir bereiten die Studierenden darauf vor, nach Abschluss der Ausbildung weiterführende Studiengänge zu besuchen. Daher finden im Verlauf der Ausbildung zunehmend Arbeitsphasen statt, in denen Studierende selbsttätig Fragestellungen entwickeln und bearbeiten. Die Lehrerinnen und Lehrer übernehmen innerhalb dieses Prozesses stärker die Rolle von Lernprozessbegleitern und Mentoren.


Erwachsenengerechte Lehr- Lernmethoden

Neben plenaren Phasen setzen wir auf Diskussionen, Kleingruppenphasen, Projektarbeiten, Referate und Übungen als Formen des Lernens. Immer wichtiger wird auch die Arbeit mit unserer internetgestützten Lernplattform, die Teil unserer zeitgemäßen technischen Ausstattung ist. Gut ausgestattete Unterrichtsräume ermöglichen die Vermittlung praktischer Kompetenzen auf hohem Niveau.

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Ausbildungsablauf

Vollzeit und praxisintegrierte Ausbildung 

Sie schließen in beiden Ausbildungsgängen als staatlich anerkannte/r Heilerziehungspfleger/in ab. Der Erwerb der Fachhochschulreife (FHR) ist ggf. gleichzeitig möglich.


Vollzeitausbildung

Während der ersten zwei Ausbildungsjahre haben die Studierenden an fünf Wochentagen Unterricht. Die im Unterricht erworbenen theoretischen Kompetenzen werden im Rahmen von Blockpraktika vertieft und erweitert. Im dritten Ausbildungsjahr arbeiten sie als Berufspraktikant/in in einer Einrichtung der Behindertenhilfe ihrer Wahl. Zur Vertiefung spezifischer Inhalte finden während dieses Berufspraktikums in der Schule mehrere Blockseminare statt. 


Praxisintegrierte Ausbildung

Der Unterricht in der integrierten Ausbildung findet wöchentlich an zwei Tagen und ergänzenden Blöcken statt. In der übrigen Zeit müssen die Teilnehmer/innen einer Tätigkeit im Umfang von mindestens 17–24 Stunden in einer Einrichtung der Behindertenhilfe ihrer Wahl nachgehen.

Ausbildungsinhalte

Die Heilerziehungspflege-Ausbildung an unserem Berufskolleg orientiert sich an der Lernfelddidaktik. Sie ist inhaltlich in vier große Blöcke untergliedert, deren einzelne Module bzw. Fächer in der folgenden Abbildung dargestellt sind.


Heilerziehungspflegerische Theorie und Praxis/Pflege und Gesundheit 

Diese beiden Fächer sind in Modulen organisiert und bilden das Herzstück der HEP Ausbildung. Innerhalb der einzelnen Module gibt es verschiedene Veranstaltungsformen, in denen sich die Studierende unterschiedliche Kompetenzen aneignen.

Vorlesungen/Vorträge/Lehrerinputs dienen dem Aufbau von Wissen. Sie erhalten hier ein breites Überblickswissen auf fachwissenschaftlicher Grundlage.

Seminare/Übungen zielen auf die aktive Anwendung des Wissens sowie auf den Erwerb neuer Fertigkeiten. Sie vertiefen Ihr Fachwissen, erproben Fertigkeiten und Methoden und reflektieren ihre Erfahrungen.

Forschendes Lernen dient dazu, anhand individuell gewählter Fragestellungen gewonnenes Wissen aus den Modulen und methodische Fertigkeiten selbständig anzuwenden. Sie entwickeln hier die Kompetenz, Annahmen aus den erlernten theoretischen Zusammenhängen strukturiert und systematisch in Praxissituationen zu untersuchen und auszuwerten.


Berufsbezogene Fächer und Blöcke

In den berufsbezogenen Fächern erwerben Sie spezifische Kompetenzen, die Sie als Heilerziehungspflegerin zur Ausführung Ihrer Kernaufgaben benötigen. Die Fächer im Einzelnen:

  • Informatik
  • Recht und Verwaltung
  • Psychiatrie
  • Gesprächsführung
  • Projekt*

*Projekt : In diesem Fach entwickeln die Studierenden ein Projekt, das die Leitideen Inklusion, Selbstbestimmung und Teilhabe aufgreift. Das Projekt bezieht sich auf die Alltagswelt der Menschen mit Behinderung. Die Studierenden setzen die Methoden des Projektmanagements ein, üben sich in der Leitung des Projektes und Einbeziehung aller Beteiligten bei der Planung und Ausgestaltung.


HEP Schwerpunkte

Menschen erfahren ihre Umwelt über unterschiedliche Sinneskanäle. Unterstützungs- und Assistenzangebote für Menschen mit Behinderung erfahren eine vertiefende Qualität, wenn Zugänge zur Lebenswelt individuell gestaltet sind. Heilerziehungspflegerische Schwerpunkte leisten einen wichtigen Beitrag dazu.

Im ersten Ausbildungsjahr erhalten die Studierenden einen Überblick über alle Schwerpunkte, im weiteren Ausbildungsverlauf haben die Studierenden eine Wahlmöglichkeit zur Vertiefung: 

  • kreativ, musischer Bereich: Kunst, Musik 
  • sprachlich, kommunikativer Bereich: Basale Stimulation 
  • gesundheits, bewegungsorientierter Bereich: Psychomotorik


Fachrichtungsübergreifender Bereich

Die berufsfeldübergreifenden Fächer dienen der eigenen Weiterbildung und des Erfassens des gesellschaftlichen Kontextes, in dem der Beruf der Heilerziehungspflege steht. Sie erlangen Wissen und Techniken zur Bewältigung von beruflichen Situationen und Herausforderungen. Zu den berufsfeldübergreifenden Fächern gehören:

  • Deutsch
  • Politik
  • Religion
  • Englisch
  • Mathematik (belegen Sie, wenn Sie die Fachhochschulreife erwerben möchten)

Neben diesen großen Bereichen wird am Berufskolleg der AWO eine Veranstaltungsform angeboten, in der sich die Studierenden im Plenum sowie in moderierten Kleingruppen gezielt mit der Entwicklung ihrer Selbst- und Sozialkompetenz auseinandersetzen.

Voraussetzungen

Die Zugangsvoraussetzung ist grundsätzlich

  • Fachoberschulreife (FOR)


Zusätzlich einer der folgenden Abschlüsse:

  • FHR (Fachhochschulreife) im Fachbereich Gesundheit und Soziales
  • eine mindestens zweijährige einschlägige Berufsausbildung
  • eine mindestens fünfjährige einschlägige Berufstätigkeit
  • Hochschulzugangsberechtigung und mindestens 900 Stunden Praxis in einer Einrichtung der Behindertenhilfe
  • nicht einschlägige Berufsausbildung und mindestens 900 Stunden Praxis in einer Einrichtung der Behindertenhilfe


Bei abweichenden schulischen oder beruflichen Vorqualifikationen lassen Sie sich bitte von uns beraten.
Für die praxisintegrierte Ausbildung benötigen Sie eine Stelle in einer Einrichtung der Behindertenhilfe im Umfang von mindestens 17-24 Stunden.

Bewerbung

Bewerbung am Berufskolleg in Bielefeld

Der Ausbildungsgang Heilerziehungspflege wird nur in Bielefeld angeboten!

Unser Bewerbungsverfahren beginnt ab November. Informationen zu den genauen Bewerbungsfristen und den Termin für unseren Tag der offenen Tür finden Sie zu gegebener Zeit unter Aktuelles. Beachten Sie bitte, dass im Schuljahr 2016/17 die Ausbildung zum/zur Heilerziehungspfleger/in nur in der praxisintegrierten Form angeboten wird.

 

Bitte reichen Sie folgende Bewerbungsunterlagen mit Anschreiben ein:

  • Lebenslauf und Lichtbild
  • schulische Zeugnisse
  • Nachweise über berufliche Abschlüsse und Tätigkeiten

Nach Eingang der Bewerbung erhalten Sie Nachricht von uns.

Richten Sie Ihre schriftliche Bewerbung bitte an folgende Anschrift:

Berufskolleg in Bielefeld
Berufskolleg der AWO
Detmolderstr. 280
33605 Bielefeld
Telefon: 0521. 9216311 oder 0521. 9216312
Fax: 0521.  9216322
sekretariat.biawo-berufskolleg.LÖSCHEN.de »

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